Kategorien &
Plattformen
Lernen über den Glauben zu sprechen
Lernen über den Glauben zu sprechen

Lernen über den Glauben zu sprechen

Delegation nimmt an Synodentreffen in Travnik teil

Seit sechs Jahren laufen im Erzbistum Sarajevo die Vorbereitungen für eine Diözesansynode. Sie soll unter dem Leitwort „Alles in Christus erneuern“ stehen. Der synodale Ansatz, dass Priester und Laien miteinander über die Zukunft der Kirche ins Gespräch kommen und dass der Erzbischof Fragen formuliert, zu denen er Beratung wünscht, ist für die Kirche in der Erzdiözese etwas vollständig Neues. Am Samstag, 30. Juni, dem dritten Tag der Partnerschaftsreise, war die Delegation bei einem Synodenvorbereitungstreffen im Dekanat Travnik zu Gast. Sie nutzte die Gelegenheit mehr über den langen Vorbereitungsweg und über die Themen für die Synode zu erfahren.

Gemeinsame Vorbereitung ist bereits Ziel der Synode

Wann die eigentliche Synode im Erzbistum beginnt, steht noch nicht fest. „Die gemeinsame Vorbereitung ist schon ein wichtiges Ziel und ein großer Erfolg bevor die eigentliche Synode beginnt“, erklärt Mario Bernadic, Generalsekretär der Synode. Eine gute Vorbereitung brauche Zeit, weil sie im Gespräch mit den Gläubigen stattfinden soll. So sollen Themen für die Synode gefunden werden über die dann beraten werde. „Es gibt in unserem Land keine Tradition, dass gemeinsam über den Glauben und über die Zukunft der Kirche gesprochen wird“, so Bernadic. Vielen Priestern und Gläubigen fehle auch noch das Bewusstsein, dass sich die Kirche verändern müsse. Daher gebe es nicht wenige Widerstände gegen eine Synode. Priester und Gläubige hingen am Alten und seien es nicht gewohnt, dass ihr Mittun in der Kirche gefordert sei.

Anders als im Bistum Limburg und in Deutschland sind Laien im Erzbistum Sarajewo nicht organisiert. Es gibt keine Pfarrgemeinderäte oder Gremien, in denen Laien und Priester gemeinsam zusammenarbeiten. Mit Blick auf das kommunistische Regime, sei es lange Zeit einfach nicht erlaubt gewesen, sich in der Kirche und für den Glauben zu engagieren, sagt Bernadic. Laien und Priester mussten Angst haben, sich zu religiösen Fragen zu äußern und daruch ins Visier der Politik oder der Geheimpolitzei zu geraten. Die Synode soll daher auch die neue Freiheit und die damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten betonen. „Eine Herausforderung auf unserem synodalen Weg ist es, Priester und Laien zur Zusammenarbeit zu motivieren. Das Bewusstsein, dass wir aufgrund von Taufe und Firmung eine gemeinsame Verantwortung für die Kirche haben, ist in unserem Erzbistum noch nicht ausgeprägt“, erklärt der Generalsekretär. Die Kirche in Sarajewo kennt auch keine Hauptamtlichen Pastoralen Mitarbeiter. Es gibt keine ausgebildeten Theologen, die in der Seelsorge arbeiten und Kirche mitgestalten.

Akzeptanz für synodalen Weg wächst

Dennoch sei im ganzen Bistum spürbar, dass die Akzeptanz für die Synode wachse. „Wir spüren bei den Vorbereitungstreffen in den 13 Dekanaten unserer Erzdiözese, dass sich das Verständnis der Priester und der Gläubigen verändert“, so Bernadic. So langsam verstünden die Menschen, was die Synode wolle.

Für die Gläubigen im Erzbistum ist es eine völlig neue Erfahrung, dass sie offen über die Probleme und Herausforderungen in der Kirche sprechen können. Das stärke auch ihr Selbstbewusstsein. Durch die Arbeit auf dem Weg zur Synode hin, hätten viele zudem erlebt, dass der Glaube an Gott im Alltag an Bedeutung gewinne. „Glaube ist kein Hobby, das ich mal ausübe und dann wieder ruhen lasse. Der Glaube gehört zu meinem Leben“, erzählt eine Teilnehmerin des Synodentreffens. Mit Blick auf solche Erfahrungen, sei die Vorbereitung der Synode auch eine Katechese für Erwachsene, bei der sie viel über den Glauben lernen.

„Wir müssen lernen über den Glauben und über Gott zu sprechen“, sagt ein Teilnehmer. Vernetzung sei wichtig, denn es gebe bislang kaum einen Austausch mit Katholiken in anderen Pfarrgemeinden. Zudem habe man noch nicht verstanden, dass der Glaube eine frohe Botschaft habe, über die man sich freuen könne. Viele Menschen seien noch voller Ängste und die Erfahrungen von Leid und Krieg im Land seien noch lange nicht vergessen. Die Zukunftsangst hemme daher auch die Auseinandersetzung mit Glauben und Kirche.