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Interreligiöser Dialog ist alternativlos
Interreligiöser Dialog ist alternativlos

Interreligiöser Dialog ist alternativlos

Erste Reise des Bischofs ins Partnerbistum Sarajevo

Bischof Dr. Georg Bätzing und eine Delegation sind zurzeit im Erzbistum Sarajevo zu Gast. Es ist die erste Reise des Bischofs in eine Partnerdiözese des Bistums Limburg. Begleitet wird Bätzing von Ingeborg Schillai, der Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, von Dr. Hildegard Wustmans, der Dezernentin für Pastorale Dienste, von Winfried Montz, dem Leiter der Abteilung Weltkirche, von Dr. Frank van der Velden, dem Islambeauftragten des Bistums, und von Stephan Schnelle, dem Pressesprecher der Diözese. Bis Sonntag (1. Juli) wird die Delegation in Bosnien-Herzegowina unterwegs sein, das religiöse Zusammenleben von Katholiken, Muslimen und Orthodoxen kennenlernen, verschiedene Projekte im Bereich der Jugendarbeit und der Caritas besuchen und zentrale Gottesdienste mitfeiern. Ein wichtiger Schritt auf der Reise ist die feierliche Unterzeichnung der neuen Partnerschaftsvereinbarung, dem Memorandum of Understanding. Diese Vereinbarung soll die partnerschaftliche Verbundenheit zwischen dem Bistum Limburg und der Erzdiözese Sarajevo festigen und Perspektiven der Bistumspartnerschaft aufzeigen.

Viele kleine Schritte können viel bewirken

„Am interreligiösen Dialog hier in unserem Land führt kein Weg vorbei. Er ist alternativlos“, erklärte Kardinal Vinko Puljic, der Erzbischof von Sarajevo, im Gespräch mit der Delegation. Nach dem Krieg, der das Land von 1991 bis 1995 beherrschte und Zerstörung, Leid und Tod ins Land brachte, habe er 1997 damit begonnen, sich regelmäßig mit Vertretern anderer Religionen im Land zu treffen. Nach und nach sei neues Vertrauen gewachsen und mittlerweile gebe es eine ganze Reihe von gemeinsamen Projekten, die das Wohl der Menschen im Land und das gesellschaftliche Miteinander im Blick hätten. „Seit 1997 sind viele kleine Schritte im interreligiösen Miteinander gegangen worden. In der Rückschau auf diese 20 Jahre ist dann aber doch sehr viel passiert und bewegt worden“, so Puljic. Mit Blick auf den Krieg sei immer wieder propagiert worden, dass es sich dabei um einen Krieg der Religionen gehandelt habe. Dem sei nicht so gewesen. Vielmehr habe die Politik versagt und dann versucht den Religionen die Verantwortung zuzuschieben.

Dialog verhindert Konflikte

Zurzeit sei die Situation so, dass alle Religionen miteinander im Gespräch seien. Es gebe einen interreligiösen Rat, der das Miteinander auf verschiedenen Ebenen koordiniere und der in die Politik und in die Gesellschaft hineinwirke. Eine Frucht der Arbeit dieses Rates sei beispielsweise, dass es nun Religionsunterricht an staatlichen Schulen gebe und dass ein Gesetz zum interreligiösen Miteinander ins Parlament eingebracht und beschlossen wurde. Beeindruckend sei, dass diese Erfolge auf einen geistlichen Austausch aufbauen. Es habe ein Projekt gegeben, das vieles verändert habe. Gemeinsam seien Vertreter der verschiedenen Religionen aufgebrochen und hätten Orte der Zerstörung und des Leids besucht. Dort habe man miteinander gesprochen, miteinander gebetet und um Versöhnung gebeten. „Wir erleben hier, wie der Dialog, wie das einander Kennen, Konflikte verhindert“, erklärte der Kardinal.

Diese Erfahrung teilen auch Muslime und Orthodoxe. Bischof Georg konnte am ersten Tag der Delegationsreise darüber mit dem orthodoxen Metropoliten, dem muslimischen Großmufti und dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde ins Gespräch kommen.