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Das Wahljahr in Kamerun

Jüngst feierte Altpräsident Paul Biya, der seit 1982 Staatspräsident von Kamerun ist, seinen 85. Geburtstag. Dennoch gilt es als sicher, dass er erneut kandidieren wird, obwohl er oft monatelang außer Landes ist, um in Genf oder Baden-Baden wieder fit gemacht zu werden.
Das Wahljahr in Kamerun
Das Wahljahr in Kamerun

Die Staatspartei RDPC mobilisiert aktuell schon Parteikader und Staatsbeamte für den Wahlkampf; die sogenannte „unabhängige“ Wahlkommission bereitet die Wahlen im Sinne der Machthabenden vor.

Nur einmal, zu Beginn der neunziger Jahre, stand die Wiederwahl des Autokraten und Patriarchen Biya in Frage. Denn der anglophone Kandidat der Oppositionspartei SDF, John Fru Ndi, gewann die Wahl. Paul Biya soll geweint und gesagt haben: „Wie können die Kameruner mir so etwas antun?“… Zudem soll der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand ihm telefonisch mitgeteilt haben: „Ein anglophoner Präsident für Kamerun, das geht gar nicht…“

So wurden die Wahlergebnisse im Nachhinein retuschiert und „optimiert“ und Paul Biya konnte im Präsidentenpalast wohnen bleiben, wo er nun schon seit bald 36 Jahren residiert.

Der Dialog zwischen der Zentralregierung und den anglophonen Regionen muss wieder in Gang gebracht werden

In diesen Tagen ist Günter Nooke,  Berater der Bundeskanzlerin für Afrika, zu Besuch in Kamerun und traf dort auch die MISEREOR-Partnerorganisation ACADIR (Verein für den interreligiösen Dialog in Kamerun). Cornelius Fontem Esua, Erzbischof vom Bamenda, nahm an dieser Begegnung teil und nutzte die Gelegenheit, um auf die angespannte Lage in den beiden anglophonen Regionen Nordwest und Südwest Kameruns aufmerksam zu machen. Günter Nooke versprach, auch darüber mit Paul Biya zu sprechen, den er nach der Begegnung mit ACADIR treffen sollte.

Da der Präsident schon seit längerer Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen wurde, meldeten die kamerunischen Medien später zur Begegnung zwischen Nooke und Biya: „Der Präsident lebt noch!“…

Kardinal Tumi, emeritierter Erzbischof von Douala, sagte mir in einem Gespräch, Deutschland müsse Druck auf Frankreich machen und Frankreich wiederum auf Kamerun, um den Dialog zwischen der Zentralregierung und den anglophonen Regionen wieder in Gang zu bringen. Denn allein Frankreich verfüge über die Macht und den Einfluss, um der Regierung in Kamerun „ins Gewissen zu reden“ und eine weitere Eskalation der Lage in den anglophonen Regionen zu verhindern.

Kamerun steckt also in einer tiefen Krise. Hauptgrund dafür ist die unverantwortliche Regierungsführung der Machthabenden. Viele sagen, der „Löwe“, wie Biya genannt wird,  ist müde, er sollte gehen…

 

 

Über den Autor: Frank Wiegandt arbeitet als Länderreferent für Kamerun bei MISEREOR.

Zur Lage in Kamerun

Die Repression in den anglophonen Regionen Kameruns führte zur Flucht von tausenden Menschen ins benachbarte Nigeria. Anglophone Demonstranten, die für mehr Autonomie und Rechte für die anglophonen Regionen reklamieren, werden nun als Terroristen diffamiert. Inzwischen radikalisieren sich viele anglophonen Aktivisten und fordern die Abspaltung der anglophonen Regionen von Kamerun.